Taubenzucht  | Deutsche Nönnchen

In meiner Tätigkeit als Preisrichter habe ich mir zum Ziel gesetzt, möglichst viele Taubenrassen als Kennenlernrassen ein oder zwei Jahre neben meinen Hauptrassen zu züchten.

So kamen auch die Deutschen Nönnchen in Silber für zwei Jahre in meine Zuchtanlage. Sie bereiteten in der Aufzucht und dem Sozialverhalten keinerlei Problem. Ihre Vitalität schöpften sie wohl aus der Tatsche, dass sie erst vor einigen Jahren durch das Einkreuzen von Fremdrassen entstanden sind.
Die Rasse verlies zwar meinen Taubenschlag, aber nicht mein Interesse an ihr. Als ich dann als Gastrichter auf der Nationalen 2003 und der VDT-Schau 2004 die Deutschen Nönnchen für den SV bewerten durfte, machte mein Herz einen Sprung.

Ich besorgte mir drei Paar  rote Nönnchen vom Zfr. Heinrich Krimmel, wovon zwei Paare zufriedenstellend nachzüchteten. Im Folgejahr ergab es sich, das Zfr. Krimmel aus gesundheitlichen Gründen seine gesamten Tiere abgeben musste. (Leider) Ich übernahm 6 Zuchtpaare und ca. 10 Jungtiere. Aus diesen und den Tieren in meinem Besitz stellte ich  8 Zuchtpaare zusammen.

Ich setzte sie in einen separaten Zuchtschlag und war vom Anpaaren an - sehr angenehm überrascht. Die Zuchtpaare fanden sehr schnell zusammen und zeigten sich sehr clever, was das Finden der ihnen zugeteilten  Nistzellen anging. Auch das Verhalten untereinander war sehr harmonisch. So waren auch schnell alle Nester mit je zwei Eiern belegt. Erfreulich war auch, das von 16 Eiern 14 befruchtet waren, von denen alle 14 Küken schlüpften.  Auch das Anfüttern war kein Problem.

Dies ging dann gut bis ca. 3-4 Tage nach dem Beringen, von hier an wuchsen die Tiere rückwärts, das heißt, sie blieben in der Entwicklung stehen und kümmerten. Zumeist blieb dann nur ein Jungtier am Leben. Nachdem wir ein sehr kaltes Frühjahr hatten, schob ich das Problem auf die niedrigen Temperaturen. Was mit Sicherheit auch Auswirkungen auf das Brutverhalten der wärmeliebenden Nönnchen hat. Das zweite Gelege war wiederum sehr gut befruchtet und auch der Schlupf ließ keine Wünsche offen. Auch die Temperaturen spielten mit. Aber auch das wärmere Wetter  und das extrem knappe Füttern halfen nicht. Es kam wieder zum gleichen Ergebnis.

Da kam ich auf die Idee, einmal einen ganz neuen Weg zu gehen. Ich tauschte das dritte Gelege komplett mit dem Gelege meiner Mookeetauben aus. Ein Ziel war überhaupt ein paar Nönnchen groß zu bekommen und ich war gespannt, wie die Nönnchen mit den Mookeeküken zurechtkommen.

Das Ergebnis war verblüffend. Die Nönnchen blühten richtig auf, sie fütterten die jungen Mookeetauben bis zum Abfliegen und noch darüber hinaus. Es lag also nicht an den Elterntiere.
Bei den Mookeealtpaaren sah es ganz anders aus. Mookeetauben sind dafür bekannt, sehr gute Zuchttiere zu sein und werden von vielen Zuchtfreunden als Ammentauben benutzt. Aber selbst hier kümmerten einige Nönnchenküken.
Woran liegt es nun??? Daraufhin beobachtete ich die Tiere beim Füttern der Jungen. Hier ist der Punkt, an dem das Kümmern der Jungtauben liegt.  Sie betteln schlicht  und einfach nicht genug oder sogar gar nicht.
Das kann mehrere Ursachen haben, vielleicht ist es eine Degeneration in der Linie oder wurde die Linie oder Rasse durch Zufüttern von Hand das Betteln abgewöhnt.

Für mich gibt es nur eine Lösung: Ich lasse nur die Jungtiere groß werden, die richtig betteln und ganz von allein aufwachsen.Die vierte und letzte Brut ließ ich die Nönnchen selbst aufziehen und siehe da, es ging doch. Es wurden nicht alle Jungtiere groß, aber viel mehr als in den ersten zwei Versuchen.
Ich denke es wird noch ein oder zwei Jahre dauern, um die Nönnchen in meiner Zucht auf Vordermann in puncto Zuchtfreudigkeit zu bringen. Danach ist die Qualität dran, denn nur mit einem zuchtfreudigen Stamm macht die Zucht Spaß.

Das Fazit aus diesen Erfahrungen ist für mich, dass ich jetzt richtig interessiert bin, diese Rasse zu züchten. Die anfänglichen Probleme will ich in den Griff bekommen, ich stelle mich dieser Herausforderung.
Jeden interessierten Züchter kann ich diese charmante und liebenswerte Taubenrasse nur wärmstens ans Herz legen.

Viel Spaß beim Zusammenpaaren und ausprobieren.

 

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